„Aurelia – In himmlischer Mission“

„… Da sie sich, trotz mühsamer Übungen, immer noch nicht wieder unsichtbar machen konnte, musste sie beim Schießen einen größeren Abstand halten und brauchte auch noch ein Versteck dazu. Und da bot sich der Stall förmlich an. Wenn Alois drin stand, dann konnte er sie nicht sehen und ein kleines Gebüsch, direkt vor dem Stall, bot ihr Deckung.


Der Bogen und die Pfeile waren schon dort versteckt und Aurelia lauerte nur noch auf den Moment, wenn Alois in den Stall ging, um die Kühe zu melken oder irgendetwas anders darin zu machen, wobei er dann aber mit dem Rücken zu ihr stehen musste, denn schließlich konnte sie sich ja nicht vor ihn stellen und auf ihn schießen.


Denn selbst wenn der Pfeil unsichtbar war, so würde der Mann sicher stutzig werden, wenn sie den Bogen spannte und sich zwanzig Stritte vor ihn so hinstellte. Zuerst erschien aber Lisa bei ihr, mit einem kalten Getränk und einem feuchten Lappen für das Knie.
Aurelia nickte ihr zu, ließ aber die Tür des Stalles dabei nicht aus den Augen.


Es dauerte ungewöhnlich lange, bevor Alois das Haus verließ und danach wuselte er auch noch völlig sinnlos im Garten umher. Dann grub er noch hinter dem Schuppen ein Zwiebelbeet um und hielt anschließend einen kurzen Schwatz mit Anton, der das Heu auf der Wiese wendete. Aurelia verdrehte schon die Augen. „Die Kühe!“, wollte sie dem Mann zubrüllen, doch sie musste sich in Ruhe fassen. Ein Bauer, der nicht in den Stall ging. Wo kam man denn da hin!


Endlich öffnete er die Stalltür und Aurelia erhob sich von der Liege. Humpelnd war sie beim Gebüsch, als Alois mit der Mistgabel in den Stall gegangen war. Die große Stalltür stand weit offen und der Mann bot solch ein fantastisches Ziel.


Aus zwanzig Metern Entfernung legte Aurelia mit dem Bogen auf ihn an. Wie eine Säule stand der Mann, mit dem Rücken breit zu ihr. Der Schuss musste einfach sitzen, aber als Aurelia den Pfeil losließ, da bückte der Mann sich und das Geschoss traf den schwarzen Kater, der auf der Stange im Stall gesessen hatte.


„Verdammt!“, entfuhr es Aurelia, während der Kater an ihr vorbei lief und das Weite suchte. „Neuer Pfeil, neues Glück!“, murmelte Aurelia, während sie sich bückte und einen zweiten Pfeil aus dem Köcher zog. Nun bewegte sich der Mann aber so schnell, dass sie gar keine Chance zum Schuss mehr hatte.


Endlich hielt er inne und stand wieder für sie bereit. Der zweite Pfeil war sofort auf dem Weg, traf die Mistgabel, prallte davon ab und traf den Eber, der dösend in seinem Schweinestall gelegen hatte. Das nun folgende Geräusch zeugte davon, dass die Sau gerade die glücklichsten Momente ihres Lebens mit dem erwachten Eber verbrachte.


„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ Aurelia stöhnte auf und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Nächster Versuch!“ Seufzend zog Aurelia den dritten Pfeil aus dem versteckten Köcher im Gebüsch.
„Ich hoffe, Max beobachtet mich nicht gerade bei diesen nutzlosen Versuchen“, dachte sie. Langsam zog sie sich die Bogensehne an die Nase und zielte sorgsam auf den Bauern. Dieser Schuss musste nun aber sitzen!
Die Pfeilspitze folgte unaufhörlich dem sich bewegenden Mann. Am Tage zuvor war der nie so schnell gewesen. Vermutlich musste er nun seine vertrödelte Zeit wieder aufholen.


Immer wenn sie dachte, der richtige Moment zum Loslassen wäre gekommen, da drehte sich Alois wieder zur Seite. Zum Glück wendete er sich nicht zu ihr um, sonst wäre es vorbei gewesen. „Ich kann hier nicht ewig so stehen bleiben! Wenn mich da jemand sieht!“, sauste es durch ihren Kopf.


Bisher hatte sie immer nur aus einer Entfernung von maximal drei Metern geschossen. Das war ja auch kein Problem, wenn man unsichtbar war. Aber so ging das nicht. Vielleicht wäre ein Bogenkurs richtiger gewesen, als hier die Sau zu beglücken. Oder den Kater auf die gesamte Katzenmeute des Dorfes loszulassen.


Immer noch zielte sie auf den Mann und langsam verkrampften sich ihre Finger. Die Kraft des Bogens ließ ihre Hand zittern und das würde es nicht besser machen. Noch immer schnaufte der Eber glücklich und die Sau grunzte zufrieden. Wenigstens war dieser Schuss nicht vergebens gewesen.
Von ihr nicht beeinflussbar gaben ihre Finger das Geschoss frei. Alois bückte sich erneut und der Pfeil traf die vor ihm stehende Schubkarre. Mit einem summenden Geräusch prallte er ab, kam zurück und sauste nur Fingerbreit neben Aurelias Ohr vorbei. Erschrocken fuhr sie herum und sah, wie der Pfeil in Antons verlängerten Rücken einschlug. Mit einem Schmerzensschrei kippte der Mann nach vorne um und fiel der Länge nach auf die Wiese in das Heu. …“


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Alle Informationen immer unter http://romantik.goeritz-netz.de/16.html

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